Spannung vor Wahl am Dienstag, es gibt keinen klaren Favoriten
Bonn, 20.02.2026 (KAP/KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland wählen am Dienstag in Würzburg ihren neuen Vorsitzenden. Der Amtsinhaber Georg Bätzing, Bischof von Limburg, hat angekündigt, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Mehrere Bischöfe gelten als aussichtsreiche Kandidaten für seine Nachfolge. Zu ihnen gehören etwa der Paderborner Erzbischof Udo Bentz (58) sowie die Bischöfe Heiner Wilmer (64, Hildesheim), Peter Kohlgraf (58, Mainz), Stephan Ackermann (62, Trier) und Franz Jung (59, Würzburg).
Zu den Aufgaben des künftigen Vorsitzenden gehört es, die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland zu überwinden. Die Bischöfe aus Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt hatten sich aus dem Reformprojekt zurückgezogen. Ob und wie sie wieder eingebunden werden können, ist unklar. Die geplante Einrichtung eines synodalen Gremiums von Bischöfen und Laien auf Bundesebene hängt auch davon ab, ob dessen Statut von der Kirchenleitung in Rom bestätigt wird.
Vermittler gesucht
Der neue Bischofskonferenz-Vorsitzende wird daher sowohl bei seinen Amtsbrüdern in Deutschland als auch im Vatikan vermitteln müssen. Gute Chancen auf das Amt haben somit diejenigen Bischöfe, die den Reformkurs der Mehrheit in Deutschland fortsetzen wollen, aber auch für die konservative Minderheit wählbar sind und enge Kontakte nach Rom pflegen.
Der Vorsitzende wird von der Vollversammlung gewählt, zu der neben den Ortsbischöfen auch die Weihbischöfe gehören. Manche sehen deshalb die Abstimmung als "Stunde der Weihbischöfe". Mehr als die Hälfte der aktuell fast 60 Wahlberechtigten sind Weihbischöfe. Die Stimmung dieser "Hilfsbischöfe" aus allen 27 deutschen Diözesen lässt sich nur schwer abschätzen. In den ersten beiden Wahlgängen der Vorsitzenden-Wahl ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit.
Bischöfe sprechen über Synodalkonferenz
Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz von Montag bis Donnerstag in Würzburg befasst sich auch mit der Satzung der geplanten Synodalkonferenz. Das neue Beratungs- und Leitungsgremium von Bischöfen und Laien soll im November seine Arbeit aufnehmen.
Weitere Themen des Treffens sind die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und die Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. Auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen und das Selbstverständnis Europas in einer sich ändernden Weltordnung sollen besprochen werden. Darüber hinaus wollen die Bischöfe über den Entwurf einer Arbeitshilfe zur Ehrenamts- und Engagemententwicklung diskutieren.
ZdK-Präsidentin: Entscheidende Wahl
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, mahnte im Vorfeld der Bischofskonferenz-Versammlung, den begonnenen Reformprozess in der katholischen Kirche fortzusetzen. Er lasse sich ohnehin nicht mehr zurückdrehen. "In den zurückliegenden Jahren hat sich viel bewegt: Was wir auf dem Synodalen Weg alle gemeinsam vorangebracht haben, lässt sich nicht mehr verrücken, kleinreden oder gar ungeschehen machen", sagte Stetter-Karp der "Augsburger Allgemeinen".
Wer immer neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz werde, müsse sich zu dessen Ergebnissen verhalten. "Es wird auf ihn ankommen, auf seine Gestaltungskraft. Ganz persönlich, in Verantwortung für seine neue Aufgabe", sagte Stetter-Karp. "Die deutschen Bischöfe stehen jetzt vor einer entscheidenden Wahl", fügte sie hinzu. Sie habe aber keine Angst um den Reformkurs in der deutschen katholischen Kirche.
Der Publizist und Kritiker des Synodalen Wegs, Bernhard Meuser, sagte der Zeitung im Namen der Katholiken-Initiative "Neuer Anfang", er erwarte sich vom neuen Vorsitzenden "die Überwindung der innerkirchlichen Spaltung". Mit Blick auf Bätzings Amtszeit sagte er: "Sechs Jahre sind wir zentrifugal auseinandergeflogen. Ohne etwas Hilfe von ganz oben wird es Jahrzehnte dauern, bis die Kirche wieder an das Evangelium erinnert und nicht an einen zerstrittenen Hühnerhaufen."
(Website der Deutschen Bischofskonferenz: www.dbk.de)
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