Gebetsabende vor Hintergrund der Kriege in der Ukraine und Nahost - Österreich-Koordinatorin von Sant'Egidio: Ohnmacht überwinden und aktiv werden statt Zuschauer bleiben
Vatikanstadt/Innsbruck, 11.04.2026 (KAP) Weltweit und auch in Österreich haben sich viele Kirchen, Gemeinden und Organisationen dem Aufruf des Papstes zu einer Gebetswache für den Frieden angeschlossen. Leo XIV. hatte dazu eingeladen, insbesondere mit Blick auf den jüngsten Krieg in Nahost, für den Frieden zu beten. Für Samstag um 18 Uhr hatte er zum Rosenkranzgebet für den Frieden im Petersdom eingeladen, mit Live-Übertragung durch die Vatikan-Medien. Ein zeitgleiches Friedensgebet in Österreich war in der Innsbrucker Spitalskirche angesetzt, zu dem Bischof Hermann Glettler eingeladen hatte. Organisiert wurde es von der in der Friedensarbeit engagierten katholischen Bewegung Sant'Egidio.
"Das gemeinsame Gebet ist auch eine Form des Protests. Es hilft dabei, die eigene Ohnmacht zu überwinden, nicht Zuschauer zu bleiben und aktiv zu werden", sagte Sant'Egidio-Koordinatorin für Österreich, Vera Merkel, am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Beim Gebet bringe der Mensch die "Schreie des Krieges" vor Gott und werde selbst verändert, was entscheidend sei, denn: "Friede fängt bei jedem Einzelnen und seinem oder ihrem Umfeld an", so die Friedensaktivistin.
Wichtig sei weiters auch die beim Gebet ausgedrückte Solidarität. Bei den Friedensgebeten, die Sant'Egidio monatlich organisiert, seien auch Freunde aus dem Iran und anderen Herkunftsländern des Nahen Ostens anwesend. "Für viele ist es ein Trost zu wissen, dass wir beten. Oft schicken sie Videos davon in ihre Heimat und erzählen dort, dass sie nicht alleine sind." So gelinge es, beim Gebet Seite an Seite Last und Sorgen auf den Schultern zu verteilen. Merkel: "Wir sind in Österreich, aber der Krieg und das Weltgeschehen betreffen uns alle. Wir müssen dagegen aufstehen, auch wenn wir die Folgen nicht unmittelbar spüren."
Trost und Solidarität
Sant'Egidio war auch treibende Kraft der vom Papst angestoßenen Friedensgebete am Samstag in unzähligen Diözesen, Gemeinden und Organisationen. Beim Papst-Gebet im Petersdom war indes die Friedensbewegung Pax Christi federführend, die derzeit in Rom tagt. Ebenso hatten in ganz Italien Diözesen zu Initiativen und Gebetszeiten eingeladen, darunter ein Abendgebet im Dom von Bologna mit dem Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi.
In Deutschland schlossen sich laut Informationen der Deutschen Bischofskonferenz mehrere Diözesen dem Friedensgebet an. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki betonte in seiner Gebetseinladung an die Gläubigen in seiner Erzdiözese: "Es ist wichtig, dass wir den leidgeprüften Menschen im Libanon unsere Solidarität zeigen. Die täglichen Berichte über Gewalt, Zerstörung und das Leid unschuldiger Menschen erschüttern mich immer wieder zutiefst", erklärte Woelki.
Von Rio bis Kiew
In Brasiliens Metropole Rio de Janeiro hatten Menschen bereits die ganze Nacht von Freitag auf Samstag rund um die berühmte Christusstatue für Frieden gebetet. In Argentinien rief die Bischofskonferenz Gemeinden und Familien auf, Gebetszeiten zu fördern, "um den Herrn um ein Ende der Konflikte und die Gnade eines echten Dialogs zwischen den Nationen zu bitten". Auch in Kolumbien bekräftigte die Bischofskonferenz den Appell des Papstes. Jede Anstrengung zum Frieden sei wertvoll, besonders wenn sie einem Volk entspringe, das sich nach Versöhnung und Frieden sehnt, heißt es in der Botschaft der Bischöfe mit Bezug auf den Libanon.
Im Libanon selbst verfasste der maronitische Kardinal Bechara Boutros Rai ein Rundschreiben an die Gläubigen. In einer von Kriegen, Konflikten und Leid geprägten Welt sei die Kirche mehr denn je aufgerufen, "eine Stimme des Gebets und der Hoffnung, ein Zeugnis des Glaubens angesichts von Gewalt, Spaltung und Verzweiflung" zu sein, schrieb er an Priester, Ordensleute und Gläubige der maronitischen Kirche im Libanon, den Papst Leo XIV. Anfang Dezember besucht hatte.
Auch viele Menschen in der Ukraine hatten sich der Friedenswache angeschlossen, auf Einladung vom Oberhaupt der dortigen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. Für die Ukraine, die erst an diesem Sonntag das Osterfest begeht, sei es bereits das fünfte seit Beginn der russischen Invasion, sagte der Geistliche gegenüber Vatican News. Umso wichtiger sei es, für ein Ende der Kampfhandlungen zu beten.
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