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Theologie
Bild Copyright: © Erzdiözese Salzburg

Vatikan und Piusbrüder: Tück wünscht sich Klärung der Verhältnisse

19.05.2026 14:03
Österreich/Vatikan/Schweiz/Deutschland/Kirche/Konflikte/Papst/Piusbruderschaft/Theologie
Widersprüchliche Positionen in ganz zentralen Fragen innerhalb der katholischen Kirche seien auf Dauer gefährlich, meint der Wiener Theologieprofessor
Bonn/Köln, 19.05.2026 (KAP/KNA) Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück hält eine baldige Klärung zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Piusbruderschaft für wichtig. Ein Schisma sei zwar "immer für beide Seiten unglücklich", sagte Tück laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag im Interview von "Deutschlandfunk Tag für Tag". Derart widersprüchliche Positionen in so wichtigen Fragen seien aber innerhalb der katholischen Kirche gefährlich und nicht auf Dauer zu dulden.

Hintergrund der Äußerungen ist der drohende Bruch zwischen Rom und den Traditionalisten, die zentrale Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ablehnen. Aktueller Streitpunkt sind für den 1. Juli angekündigte Bischofsweihen der Bruderschaft, für die der Papst die erforderliche Erlaubnis verweigert. Unerlaubte Bischofsweihen sind nach dem Kirchenrecht mit der von selbst eintretenden Exkommunikation belegt.

Konzil als Leitstern des Papstes

Tück erläuterte, auch für den neuen Papst Leo XIV. sei das Konzil mit seiner ökumenischen Öffnung und seinem Kirchenverständnis sowie das Verhältnis zum Judentum und zum liberalen Rechtsstaat ein Leitstern und somit unaufgebbar. Daher halte er, Tück, nichts von "einer Charme-Offensive gegenüber den Piusbrüdern"; sprich, davon, die Bruderschaft "unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit weiter agieren zu lassen".

Stattdessen sei eine endgültige Klärung der zu lange unklaren Verhältnisse gut, so Tück, der an der Universität Wien Dogmatik lehrt. Er hält für sehr wahrscheinlich, dass die Piusbrüder die Bischofsweihe tatsächlich vollziehen werden. Ein schismatischer Akt sei aber auch nicht notwendig von Dauer, sondern könnte später "saniert werden".

"Osmotische Durchlässigkeit nach rechts"

Der Theologe bescheinigt den Piusbrüdern grundsätzlich eine "osmotische Durchlässigkeit zu rechten politischen Positionen". So habe ihr Gründer, der französische Missionserzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), den liberalen demokratischen Staat eindeutig abgelehnt. Der Laizismus sei für Lefebvre das Einfallstor für den Relativismus gewesen. Konträr dagegen habe sich das Konzil für Glaubens- und Gewissensfreiheit ausgesprochen.

Zugleich warnt Tück davor, in eine "Polarisierungsfalle zu tappen". Politische Bewertungen dieser Art seien nicht pauschal zu treffen, sondern von Person zu Person unterschiedlich. Auch handele es sich bei den Anhängern der Piusbrüder zunächst um Mitchristen mit "einem wachen Sensorium für Heiligkeit und Liturgie". Diese Christen nähmen ihren Glauben sehr ernst und stießen sich an dem oft "wohltemperierten, lauen Durchschnittschristentum", so der Theologe.

Nein zu Reformen des Konzils

Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanums ab und beharren auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.

Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.
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