Migrationsreferat veröffentlicht Anklage eines Priesters, die Meeresrouten seien "stille Friedhöfe" geworden und warnt davor, "diese Tragödien als Normalität zu betrachten"
Madrid, 24.07.2026 (KAP) Das Migrationsreferat der Spanischen Bischofskonferenz hat nach dem jüngsten Schiffsunglück vor der Küste Mauretaniens einen Gastbeitrag des Präsidenten der Regionalen Union der Priester Westafrikas (URPAO/RUPWA), Peter Alpha Leo Konteh, veröffentlicht. Der Geistliche fordert darin ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Ursachen irregulärer Migration und mehr legale Zugangswege nach Europa. Konkreter Anlass ist der Tod oder das Verschwinden von mindestens 144 Migranten auf der Atlantikroute.
Konteh bezeichnete das Unglück als "schmerzliche Erinnerung", dass die Migrationsrouten über den Atlantik und das Mittelmeer zu "stillen Friedhöfen" für tausende junge Afrikaner geworden seien. Hinter jeder Statistik stehe "ein Gesicht, ein Name, ein Traum und eine Familie". Die eigentliche Frage sei, "wie viele junge Afrikaner noch sterben müssen, bevor wir aufhören, diese Tragödien als Normalität zu betrachten". Die Krise sei nicht nur humanitär, sondern auch eine "moralische Krise", die Regierungen, Religionsgemeinschaften und die internationale Gemeinschaft gleichermaßen herausfordere.
Afrika und Europa tragen Mitverantwortung
Der westafrikanische Priester machte sowohl afrikanische Staaten als auch Europa für die Entwicklung mitverantwortlich. Viele Regierungen in Afrika hätten es versäumt, jungen Menschen Bildungs- und Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen. Migration sei deshalb häufig "keine Entscheidung aus Luxus, sondern aus Verzweiflung". Zugleich warnte Konteh vor einem idealisierten Bild Europas, das durch Erfolgsgeschichten in sozialen Medien entstehe. Die Realität vieler Migranten sei hingegen von Unsicherheit, Ausbeutung und fehlendem Aufenthaltsstatus geprägt.
Auch Europa müsse seine Verantwortung wahrnehmen. Zwar hätten Staaten das Recht, ihre Grenzen zu schützen, sagte Konteh. Wenn legale Migrationswege jedoch nahezu versperrt seien, profitierten davon vor allem Schleusernetzwerke. Er sprach sich für mehr sichere und legale Möglichkeiten der Migration, faire Visaverfahren sowie Ausbildungs- und Arbeitsprogramme aus.
Warnung vor "moderner Sklaverei"
Besorgt äußerte sich Konteh zudem über moderne Formen der Ausbeutung. Obwohl die Sklaverei offiziell abgeschafft sei, gerieten viele junge Afrikaner heute in Menschenhandel, illegale Beschäftigung und Abhängigkeit. "Kein Mensch sollte Gefahr laufen, Opfer moderner Sklaverei zu werden, nur weil er ein würdiges Leben sucht", betonte er.
Zugleich rief der Priester die Kirchen auf, ihre Bildungs- und Unterstützungsarbeit auszubauen. Afrikas Zukunft liege in den jungen Menschen selbst. "Afrika darf seinen größten Reichtum - seine Jugend - nicht weiter auf den Meeresgrund exportieren", heißt es abschließend in dem Beitrag. Junge Menschen verdienten "Chancen, nicht Gräber".
Kontehs Beitrag knüpft an den Besuch von Papst Leo XIV. auf den Kanarischen Inseln vor rund einem Monat an. Der Papst hatte damals davor gewarnt, das Leid und Sterben von Migranten auf der Atlantikroute gleichgültig hinzunehmen.
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kamen bei mehreren Bootsunglücken vor der Küste Mauretaniens in den vergangenen Tagen mindestens 144 Flüchtlinge und Migranten ums Leben oder werden vermisst. Auf einem aus Gambia zu den Kanarischen Inseln aufgebrochenen Boot überlebten nach 25 Tagen auf offener See lediglich 38 Menschen; unter ihnen zwei Kinder, die nach UNHCR-Angaben ihre gesamte Familie verloren. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Atlantikroute wegen der weiten Entfernungen, unberechenbaren Wetterbedingungen und häufig seeuntauglichen Boote als eine der tödlichsten Fluchtrouten weltweit.
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