Präsident der Caritas Europa nach Migrantensturm auf spanische Exklave in Nordafrika: Bei Thema Sicherheit auch Lebensbedingungen in Ausgangsländern beachten - Kritik an Marokko
Wien, 01.08.2026 (KAP) "Es muss beides möglich sein: Menschen und Grenzen zu schützen": Mit diesem Appell hat sich der Präsident der Caritas Europa, Michael Landau, zu den Vorfällen in der spanischen Exklave Ceuta zu Wort gemeldet, wohin am Donnerstag zehntausende Migranten zumeist über den Seeweg von Marokko aus gelangten. Offensichtlich sei es mittlerweile "gemeinsam - europäisch - gelungen", die Situation wieder in den Griff zu bekommen, kommentierte Landau die Mitteilung des für Migration zuständigen österreichischen EU-Kommissars Magnus Brunner, dass niemand den europäischen Schengenraum betreten habe und "praktisch alle, die Ceuta betreten hätten, auch wieder zurückgekehrt" seien.
Der Caritas-Europa-Präsident erteilte Tendenzen zu nationalistischer Abschottung eine Absage: "Wir werden für die großen Themen mehr Europa brauchen, nicht weniger." Und klar sei damit auch: Das Thema Sicherheit müsse "breiter gedacht werden als bisher". Landau forderte mehr Augenmerk auf die Frage, was Menschen helfe, in ihren Heimatländern und -regionen Sicherheit und Perspektiven zu finden. "Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit gehören bei einer sinnvollen Sicherheitsstrategie jedenfalls mitgedacht", so Landaus Überzeugung. Es gelte beides zu schützen: Grenzen und Menschen.
Gegen jede parteipolitische Instrumentierung des Ansturms auf Ceuta hielt Landau fest: Obwohl Ceuta spanisches Hoheitsgebiet sei, gelten dort besondere Vorschriften für die freie Bewegung im Schengen-Raum. Es würden Personenkontrollen bei der Ausreise aus Ceuta und Melilla durchgeführt, diese Orte wie EU-Außengrenzen behandelt, habe zuletzt auch ein Vertreter der Europäischen Kommission klargestellt. Die Schengen-Vorschriften zur Freizügigkeit gälten zudem nur für EU-Bürger, Personen mit einer gültigen Aufenthaltserlaubnis und Reisende, die die Voraussetzungen für eine rechtmäßige Einreise erfüllen.
Kritik übte Landau an den marokkanischen Behörden. Er zog eine Parallele zu Weißrussland, das versucht habe, mit dem Durchwinken von Migranten Polen unter Druck zu setzen.
Es fehlt an Lebensperspektiven
Medienberichten zufolge habe die enorme Migrationsbewegung in die spanische einen Zusammenhang mit einem Urteil des obersten spanischen Gerichtshofs, wonach Menschen, die Ceuta oder die zweite nordafrikanische Exklave Melilla über den Seeweg erreichen, nicht direkt zurückgewiesen werden dürfen. Dies eröffne für viele Menschen in der marokkanischen Grenzregion eine von der "Menschenhändlermafia" - so der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez - geschürte Perspektive, europäischen Boden zu betreten.
"Die mehrheitlich jungen Migranten nehmen das Risiko auf sich, da sie in ihrer Heimat keine Zukunftschancen sehen. In Marokko ist jeder dritte junge Mensch arbeitslos", zitierte die APA den spanischen Migrationsexperten Yoan Molinero. Mit über 37 Prozent verzeichne das Land die höchste Jugendarbeitslosigkeit in Nordafrika.
Die Diözese Cádiz und Ceuta rief angesichts der Migrationskrise in der spanischen Nordafrika-Exklave zu Solidarität mit den ankommenden Migranten auf und sagte den staatlichen Behörden noch am Donnerstagabend ihre Unterstützung zu. In einer Erklärung kündigte die Diözese an, mit den zuständigen zivilen Institutionen zusammenzuarbeiten und die Kollekten am Samstag und Sonntag in den Pfarren Ceutas vollständig der diözesanen Migrantenpastoral zu widmen.