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v.l.: Martin Dürnberger (SHW-Obmann), Erzbischof Franz Lackner, Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg)
Salzburger Hochschulwochen
Bild Copyright: © Erzdiözese Salzburg / Hiva Naghshi

Salzburg: Erzbischöfliche Identitätssuche im Morgengrauen

06.08.2026 20:19
Österreich/Kirche/Leute/Vermischtes/Religion/Glaube/Lackner
Was fürchtet der Salzburger Erzbischof im dunklen Dom - und warum stressen Uni-Rektor Fügenschuh 100.000 Jahre? Eine launige Gesprächsrunde eröffnete das alljährliche Sommerfest bei Erzbischof Lackner für die Teilnehmenden der "Salzburger Hochschulwochen" - Von Henning Klingen
Salzburg, 06.08.2026 (KAP) Auch ein Erzbischof muss sich hin und wieder seiner Identität versichern. Vor allem, wenn er sich staunend fragt, wie er eigentlich wurde, was er ist. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner sucht dazu die Einsamkeit - und die Begegnung mit Straßenreinigern, Katzen, Zustellern und den Geistern seiner Vorgänger: Allesamt Begegnungen, die ihm auf seinen frühmorgendlichen Runden um 5.30 Uhr durch das noch leere Salzburg und die noch dunklen Salzburger Kirchen widerfahren. "Nur im dunklen Dom fürchte ich mich manchmal ein wenig wenn ich mir vorstelle, dort vielleicht einem meiner Vorgänger zu begegnen", schilderte Lackner bei einer launigen Gesprächsrunde am Donnerstagabend im Bischofshof.

Die Runde bildete zugleich den Auftakt zum alljährlichen Sommerfest für die Teilnehmenden der "Salzburger Hochschulwochen". Mit Lackner diskutierten über das Zentralthema der Hochschulwochen - "Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone" - die ehemalige Weltklasse-Skiläuferin Alexandra Meissnitzer, der Schauspieler Christoph Luser und der Salzburger Uni-Rektor Bernhard Fügenschuh.

Als Franziskaner genieße er die morgendlich stillen Runden durch die Stadt, erklärte Lackner. Zugleich konfrontiere ihn diese Zeit mit existenziellen Fragen - etwa jenen der eigenen Vergänglichkeit, der verrinnenden Zeit und der Erinnerung an die einfachen Verhältnisse, aus denen er stammt. Es sei diese Herkunft, die seine Identität bis heute präge und immer wieder einhole - etwa, wenn er sich an das Stoßgebet erinnert, dass er bei der Nachricht, dass er Bischof werden sollte, gen Himmel schickte: "Lieber Gott, ich tu's. Aber wenn's schiefgeht, bin ich nicht allein schuld ..." Neben diesen familiären Erinnerungen ziehe er seine Identität auch aus den franziskanischen Quellen und der Überzeung, dass Gott - selbst wenn er sich nicht immer gleich zu erkennen gibt - "eine Sehnsuchtsspur in uns alle hineinlegt", so Lackner.

Vom Geologen Geduld lernen

Ein seine Identität prägendes franziskanisches Erlebnis konnte auch Rektor Fügenschuh dazulegen, insofern er vor rund 50 Jahren selbst mit der Jungschar einmal in Assisi war und diese Reise als "spektakulär" erlebte - zum einen, weil er sich just auf dieser Reise verliebte, zum anderen, weil er von dort mit einer Gruppe zu Fuß nach Rom gepilgert ist. Prägender noch seien jedoch seine Jahrzehnte währenden Erfahrungen als Alpinist und Geologe, räumte Fügenschuh ein. Die Einsichten in die Erdgeschichte und die enormen Zeitläufte würden vieles relativieren - und ihm auch in seinem heutigen Job helfen: "Ich sage gern: Bitte habt Geduld. Ich habe Zeit. Wenn etwas in meiner Zeitrechnung schnell geht, sind es gleich einmal 100.000 Jahre."

"Total begeistert" zeigte sich Fügenschuh indes von den "Salzburger Hochschulwochen", die Jahr für Jahr unter Beweis stellten, wie man Religion zeitgemäß erschließe und auf jene Fragen anwende, die heute in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Religion stecke heute schließlich in vielen alltäglichen Dingen: Für manch einen sei die Frage "Vegan oder vegetarisch" eine gleichsam religiöse Frage - für andere "Microsoft oder Apple". Dies zeige im Kleinen, dass religiöse Deutesysteme auch heute noch wirkmächtig seien und entsprechend erschlossen werden müssen - eben dies würden die Hochschulwochen leisten.

"Ich bin nicht Passagier meines Lebens"

Über die Herausforderungen, die eigene Identität nach einem Karriereende neu zu finden und zu entwickeln, gab die frühere Skirennfahrerin Alexandra Meissnitzer Auskunft. Sie wollte immer eine erfolgreiche Skifahrerin sein und habe das Ziel auch stringent verfolgt - nach dem Karriereende habe sie diese neue Phase ebenso zielstrebig durchlaufen. "Welche Haltung will ich einnehmen, welchen Werten folge ich, wo möchte ich Verantwortung übernehmen ?" seien die Fragen gewesen, denen sie sich stellen musste. "Ich musste lernen: Ich bin nicht Passagier meines Lebens, ich kann das steuern", so die zweifachen Alpin-Weltmeisterin. Zugleich schätze sie durchaus auch seelsorgliche Hilfsangebote, räumte Meissnitzer ein: so begrüßte sie etwa die Begleitung durch Olympia-Seelsorger, die für viele Sportler - sie inklusive - eine wichtige Stütze seien.

Über die vielschichtigen Identitätsformen, die ein Schauspieler durch seine Rollen er- und durchlebe, berichtete Christoph Luser, der im "Jedermann" den Guten Gesell und den Teufel in einer Doppelrolle spielt. Die Schauspielerei gestalte sich gerade unter Identitäts-Gesichtspunkten oft nicht leicht, räumte Luser ein: Wie man in Figuren schlüpfe, werde an Schauspielschulen unterrichtet - nicht jedoch, wie man sie wieder los werde und sich von ihnen frei mache. Auch er sei im übrigen schon einmal in Assisi gewesen, schloss er den Kreis franziskanischer Erfahrungen im 800-Jahre-Franz-von-Assis-Jahr - er wolle jedoch auch eine Lanze für Salzburg brechen: Dies sei gerade in den Sommermonaten und der Festspielzeit ein "perfektor Ort" für bereichernde Begegnungen und die Bestärkung der eigenen Identität, so Luser.
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v.l.: Martin Dürnberger (SHW-Obmann), Erzbischof Franz Lackner, Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg)
v.l.: Martin Dürnberger (SHW-Obmann), Erzbischof Franz Lackner, Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg)
Gesprächsrunde beim Sommerfest am 6. August 2026 im Rahmen der 'Salzburger Hochschulwochen' - v.l.: Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg) und
Gesprächsrunde beim Sommerfest am 6. August 2026 im Rahmen der "Salzburger Hochschulwochen" - v.l.: Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg) und
v.l.: Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg) und Erzbischof Franz Lackner
v.l.: Christoph Luser (Schauspieler im Jedermann), Alexandra Meissnitzer (ehem. Skirennläuferin), Bernhard Fügenschuh (Rektor der Universität Salzburg) und Erzbischof Franz Lackner
Sommerfest am 6. August 2026 im Rahmen der 'Salzburger Hochschulwochen'
Sommerfest am 6. August 2026 im Rahmen der "Salzburger Hochschulwochen"
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