Venezuelas Kirche fordert rasche Präsidentschaftswahl
12.08.202613:23
Venezuela/Politik/Wahl/Kirche/Menschenrechte
Kardinäle und Friedensnobelpreisträgerin Machado fordern Freilassung politischer Gefangener und baldigen Wahltermin - Von Tobias Käufer (KNA)
Caracas, 12.08.2026 (KAP/KNA) Seit mehr als einem halben Jahr regiert mit Delcy Rodríguez eine Interimspräsidentin in Venezuela. Deshalb sei es längst Zeit für Wahlen, fordern nun Vertreter der katholischen Kirche. Doch einen Termin gibt es bisher nicht. Immerhin: Anfang August haben Regierung und Opposition in Venezuela ihren Dialogprozess aufgenommen.
Auslöser für die aktuelle Situation war eine weltweit beachtete US-Militäroperation, bei der Machthaber Nicolás Maduro festgenommen, entführt und außer Landes gebracht worden war. Ihm wird neben schweren Menschenrechtsverletzungen auch die Manipulation der Präsidentschaftswahl 2024 vorgeworfen.
In einer auf X veröffentlichten Erklärung schreiben die Kardinäle Baltazar Porras und Diego Padrón sowie Erzbischof Ovidio Pérez Morales, dass es am Verhandlungstisch eine "rasche und wirksame Antwort auf die vorrangigen sozialen und politischen Probleme" geben sollte. Auch fordern die Kirchenvertreter die sofortige Freilassung der politischen Gefangenen. Institutionen und Medien sollten sich auf eine baldige Präsidentschaftswahl vorbereiten.
In Uruguay betonte die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado im Rahmen des "Forums Freies Amerika", das von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisiert wird, ein Übergang zu Freiheit und Demokratie könne nur gemeinsam mit dem Volk gelingen. In einer in Montevideo ausgestrahlten Videobotschaft sagte Machado, dass der Übergang "kein von Eliten gesteuerter oder aufgezwungener Übergang sein wird, sondern einer, bei dem die venezolanische Gesellschaft die Hauptrolle spielt und die Nachhaltigkeit dieses Übergangs gewährleistet".
In den USA wuchs zuletzt der Druck auf US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio, endlich einen Termin für Neuwahlen in Venezuela anzusetzen. Vertreter des Senats und des Kongresses forderten einen Fahrplan mit verlässlichen Daten. Sowohl Trump als auch Rodriguez hatten der Vorbereitung von Neuwahlen bislang keine Priorität eingeräumt.
Ex-Machthaber Maduro wartet derweil in den USA auf seinen Prozess wegen Verstrickung in den Drogenhandel. Maduro weist die Vorwürfe zurück. Zwischenzeitlich haben auch Familienangehörige von durch außergerichtliche Hinrichtungen getöteten jungen Venezolanern Klage gegen Maduro in den USA eingereicht.
Sie werfen dem venezolanischen Staat und Maduro vor, die Hinrichtungen als Repressionsmittel gegen das Volk eingesetzt zu haben. Machado erinnerte in Uruguay an diese Praxis: "Sie haben uns verfolgt, eingesperrt, gefoltert und ermordet. Sie haben unsere Häuser markiert, unsere Familien verfolgt, aber sie konnten uns nicht zum Schweigen bringen", sagte Machado.
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