Vatikan-Außenminister in Moskau: Kirche soll Frieden stiften
28.08.202608:27
(zuletzt bearbeitet am 28.08.2026 um 15:52 Uhr)
Vatikan/Russland/Ukraine/Krieg/Diplomatie
Erzbischof Gallagher feierte zum Abschluss seiner Russland-Reise einen Gottesdienst mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten der Ortskirche - Katholiken sollen "Handwerker des Friedens" sein
Vatikanstadt/Moskau, 28.08.2026 (KAP/KNA) Zum Abschluss seines Moskau-Besuchs hat der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zum Streben nach Frieden aufgerufen. Die Kirche sei berufen, Frieden zu stiften und Brücken zu bauen, sagte er am Donnerstag bei einem Treffen mit katholischen Priestern und Ordensleuten laut dem Portal "Vatican News". Schon bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag hatte Gallagher an Moskau und Kiew appelliert, Verhandlungen zu führen, um den seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden.
"Eine Brücke zu bauen bedeutet, die Distanz zwischen zwei Ufern zu erkennen - die Spaltung, den Hass und das Missverständnis - und sich zu weigern, diese Distanz als unüberwindbar hinzunehmen", so der Vatikan-Diplomat am letzten Tag seines Besuchs. Bei der anschließenden Abendmesse in der ganz mit Gläubigen gefüllten Moskauer Kathedrale betonte er dem Bericht zufolge, Papst Leo XIV. ermuntere, "Handwerker des Friedens in unserem Alltag" zu werden und Dialog und Verständigung zu fördern. Das Evangelium sporne an, unermüdlich nach dem zu suchen, was die Menschen eine.
Kreml: "Spezialoperation" wird fortgesetzt
Gallagher hatte in Moskau auch angeboten, dass der Vatikan zwischen beiden Kriegsparteien vermit-telt, um Frieden zu erzielen. Der Vatikan-Diplomat tauschte sich auch mit dem außenpolitischen Chefberater Juri Uschakow von Präsident Wladimir Putin aus. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kün-digte unterdessen an, Russland werde seine "militärische Spezialoperation" fortsetzen, weil es seine Ziele nicht mit friedlichen Mitteln erreichen könne. Moskau bleibe aber grundsätzlich offen für eine Fortführung von Friedensgesprächen.
Einziges greifbares Ergebnis der Gespräche Gallaghers mit der russischen Regierung ist einstweilen, dass der Sondergesandte von Papst Leo XIV., Kardinal Matteo Zuppi, bald nach Moskau kommt. Sei-ne Reise ist der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge für September geplant und soll ausschließlich humanitären Angelegenheiten dienen.
Zuletzt war Zuppi 2023 und 2024 in Moskau. Er unterstützt vor allem den Austausch von Kriegsge-fangenen und Leichen gefallener Soldaten zwischen Russland und der Ukraine sowie eine Heimkehr von verschleppten oder vermissten Zivilisten. Hierfür leiten Vatikanvertreter etwa entsprechende Listen weiter.
Mangel an katholischen Priestern
Erzbischof Gallagher dankte den katholischen Geistlichen für ihre Treue, mit der sie "oft unter schwierigen Umständen" Seelsorge sowie Bildungs- und karitative Arbeit leisteten. Zum Hintergrund: Der katholischen Kirche in Russland mangelt es nicht nur an Priestern. Auch staatliche Repressionen setzen ihr zu. Hinzu kommt, dass die Wege für Gläubige in dem Riesenreich mitunter zu weit sind, um jeden Sonntag eine Messe besuchen zu können. Weniger als ein Prozent der Russinnen und Rus-sen sind katholisch.
An dem Gottesdienst nahmen auch der Übergangsverwalter der "Erzdiözese der Gottesmutter in Moskau", Weihbischof Nikolai Dubinin, und aus der westsibirischen "Diözese der Verklärung des Herrn in Nowosibirsk" Bischof Joseph Werth und Weihbischof Stephan Lipke teil. Aus Rücksicht auf die orthodoxe Kirche heißen Russlands vier katholische Diözesen offiziell nicht einfach wie die Stadt, in der sie ihren Sitz haben. Denn das russisch-orthodoxe Moskauer Patriarchat sieht das Land als sein kanonisches Territorium an.
Gallagher und Zuppi waren im Juli kurz hintereinander in die Ukraine gereist. Gallagher traf sich dort auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Russland führt seit Februar 2022 ei-nen Angriffskrieg gegen die ganze Ukraine. Schon 2014 annektierte Moskau die Halbinsel Krim und befeuerte mit eigenen Soldaten bewaffnete Konflikte in der Ostukraine.
Erstmals seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 besucht der Außenbeauftragte des Vatikans, Erzbischof Gallagher, Moskau - Beim Treffen mit seinem Amtskollegen Lawrow betont er: "Dialog ist wichtiger denn je"
Besuch von Montag bis Freitag hat laut Vatikan sowohl diplomatische, als auch ökumenische und pastorale Akzente - Verantwortlicher für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen im vatikanischen Staatssekretariat will sich mit Vertretern der Russischen Föderation, des Moskauer Patriarchats und der katholischen Gemeinschaft treffen