187 Kirchenvertreter aus 31 Ländern beraten über Umsetzung der Weltsynode - Auftakt mit Plädoyer für Zuhören, Vielfalt und gemeinsame Verantwortung
Linz, 14.09.2026 (KAP) Mit einem Plädoyer für mehr Zuhören, gegenseitiges Verständnis und die Anerkennung kirchlicher Vielfalt hat am Montag im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels der internationale Workshop zur Synodalität in Europa begonnen. 187 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Ländern beraten bis Donnerstag darüber, wie die Ergebnisse der Weltsynode in den europäischen Ortskirchen konkret umgesetzt werden können. Im Mittelpunkt der Tagung stehen die Frage nach dem gesellschaftlichen Beitrag der Kirche, unterschiedliche kirchliche Erfahrungen in Europa sowie die Weiterentwicklung von Strukturen und Entscheidungsprozessen. Im Mittelpunkt des ersten Arbeitstages stand die Taufe als Grundlage synodaler Kirche.
Die Tagung unter dem Titel "Shaping Synodality in Europe. From Vision to Roadmap" wird von der Abteilung für Synodalität der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) gemeinsam mit der europäischen Taskforce für Synodalität und unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) unter der Führung von CCEE-Präsident Erzbischof Gintaras Grusas sowie dessen Vizepräsidenten, die Kardinäle Ladislav Nemet und Jean-Claude Hollerich, veranstaltet. Vertreten sind 29 Bischofskonferenzen und CCEE-Mitgliedskirchen, darunter auch katholische Ostkirchen. Das Präsidium gehören . Aus Österreich nehmen unter anderen Erzbischof Franz Lackner sowie die Bischöfe Josef Marketz und Manfred Scheuer teil. Auch Ordensleute, Theologinnen und Theologen, Studierende und weitere Fachleute sind vertreten.
Tagungsleiterin Klara Csiszar sprach angesichts der großen Beteiligung von einem "überwältigenden Bild". Die Teilnehmer arbeiten in 21 bewusst gemischten Tischgruppen. Unterschiedliche Regionen, Generationen, Geschlechter und kirchliche Erfahrungen sollen dabei zusammenkommen. "Wir formen Synodalität in Europa", hatte Csiszar bereits im Vorfeld erklärt. Es gehe darum, Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen miteinander zu teilen und "nicht übereinander in Karikaturen" zu reden. Die Ergebnisse der Gespräche sollen in eine weitere Auswertung und in eine "Roadmap" für die Umsetzung der Synodalität einfließen.
Umsetzung in verschiedenen Geschwindigkeiten
CCEE-Präsident Grusas bezeichnete die Tagung als wichtigen Schritt in einer neuen Phase des weltweiten Synodenprozesses. Nun gehe es nicht mehr nur um Reflexion, sondern um Umsetzung. Dabei dürfe Synodalität nicht mit einem bestimmten Regierungsmodell verwechselt werden. "Die Kirche kennt nur eine Macht, die fähig ist, ihr Leben zu erneuern: die des Heiligen Geistes", sagte Grusas. Synodalität bedeute deshalb, zuzuhören, zu unterscheiden und gemeinsam darauf zu achten, wohin der Geist die Kirche führe. Unterschiedliche Geschwindigkeiten und Erfahrungen seien dabei kein Hindernis. Die Herausforderung bestehe nicht in Einheitlichkeit, sondern darin, "Gemeinschaft zu stärken, Einheit in der Vielfalt zu suchen".
Kardinal Nemet verlas eine Grußbotschaft von Papst Leo an die Teilnehmer. Der Papst würdigte darin die Tagung als Möglichkeit, gegenseitiges Verständnis zu vertiefen und die Herausforderungen Europas "im Lichte des heiligen Evangeliums" zu betrachten. Bildungshausdirektor Christoph Burgstaller von Schloss Puchberg bezeichnete das Treffen als "Hoffnungszeichen, dass Kirche sich nachhaltig entwickeln will".
Gottes Wirken in jedem Getauften
Einen Schwerpunkt des ersten Tages bildete die Frage, was die Taufe für eine synodale Kirche bedeutet. Der an der KU Linz lehrende Theologe Predrag Bukovica verwies auf das Schlussdokument der Weltsynode, das die gleiche Würde aller Getauften hervorhebt. Die Taufe sei nicht bloß der Ausgangspunkt des christlichen Lebens, sondern "Leben selbst" und Grundlage der Ekklesiologie. Mit der Taufe werde jeder Mensch in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und erhalte zugleich eine eigene Berufung und eigene Charismen. Damit verbinde sich ein synodales Verständnis von Kirche, in dem nicht nur die Stimmen der Amtsträger, sondern die Charismen und Erfahrungen aller Getauften Gewicht haben.
Diese Perspektive verbinde die Gleichheit der Getauften mit der Anerkennung ihrer unterschiedlichen Gaben, so Bukovica. Eine synodale Kirche müsse deshalb beides zusammenhalten: die Einheit des Leibes Christi und die Vielfalt seiner Glieder. Die Eucharistie mache diese Verbindung sichtbar und die Kirche einem Orchester ähnlich, in dem unterschiedliche Instrumente gemeinsam einen Klang ergeben. Liturgie sei ihrem Wesen nach synodal: "Wenn wir ihr nachspüren, entdecken wir nichts Neues, sondern entdecken vielmehr das wieder, was oft lange nicht sichtbar war", so der Vortragende.
Erfahrungsschatz der Ostkirchen
Wie weit diese Vielfalt reicht, zeigte der Beitrag der Theologin Xenia Sereghy über die katholischen Ostkirchen. Synodalität könne nicht monolithisch verstanden werden, sondern müsse auch die unterschiedlichen liturgischen Traditionen der Kirche ernst nehmen. Gerade die Ostkirchen verfügten teilweise über lange Erfahrungen mit kollegialen und organischen Leitungsformen. "Vielfalt ist höchster und schönster Ausdruck der Einheit", so eine der zentralen Aussagen der aus Ungarn stammenden Linzer Kirchenrechtlerin. Die Ostkirchen könnten damit zu "Übungsfeldern für eine synodale Kirche" werden - und zugleich Brücken zur Orthodoxie bilden.
"Der ökumenische Theologe Robert Svaton weitete die Perspektive über die katholische Kirche hinaus. Synodalität sei nicht nur eine innerkirchliche Reformagenda, beschreibe sie das Schlussdokument der Weltsynode doch als "gemeinsames Gehen der Christen mit Christus und auf das Reich Gottes zu, in Einheit mit der ganzen Menschheit". Die in der Taufe begründete neue Beziehung zu Gott und untereinander müsse daher auch gesellschaftliche Wirkung entfalten. Synodalität und Ökumene zielten letztlich auf eine versöhnte Menschheit. Darin sah Svaton auch eine gesellschaftliche Dimension des Treffens: In einem Europa, das von Krieg, Polarisierung und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, könne die Kirche durch ihren eigenen Umgang mit Verschiedenheit zeigen, wie Zusammenleben gelingen kann.
Synodalität als "Grammatik des Friedens"
Sr. Nathalie Becquart, Untersekretärin des vatikanischen Synodensekretariats, stellte den Workshop zugleich in den größeren europäischen Kontext. Synodalität sei angesichts von Spaltungen, Polarisierung, Krieg und der damit verbundenen Verzweiflung vieler Menschen nicht nur eine innerkirchliche Frage. Sie bezeichnete sie mit einem Wort von Papst Franziskus als "Grammatik des Friedens" und als eine Art "soziale Prophezeiung". Gerade in Europa müsse die Kirche zeigen, dass unterschiedliche Perspektiven nicht zwangsläufig zu Spaltung führen müssen. Zuhören, Dialog und Versöhnung seien dabei nicht nur Methoden kirchlicher Beratung, sondern konkrete Formen, Frieden einzuüben. "Vielleicht lässt sich Frieden ohne zu viel von Synodalität zu sprechen durch Zuhören, Dialog und Versöhnung erreichen", zitierte Becquart den verstorbenen Papst.
Die Kirche könne der Welt diese "Grammatik des Friedens" aber nur glaubwürdig vorschlagen, wenn sie sie zunächst selbst lebe. Der synodale Weg müsse deshalb Beziehungen zwischen Menschen, Kirchen und Kulturen stärken, auch zwischen Ost und West. Gerade angesichts von Migration und einer zunehmend vielfältigen europäischen Gesellschaft gehe es darum, Zugehörigkeit nicht mehr nur geografisch zu denken, sondern als ein "Netzwerk aus Beziehungen und Kulturen", so die vatikanische Untersekretärin.
"Roadmap" soll Synoden-Umsetzung vorantreiben
Die in Puchberg gesammelten Erfahrungen und Anregungen sollen in einen Fahrplan ("Roadmap") für die weitere Umsetzung der Weltsynode einfließen. Die derzeit geltenden Vorgaben sehen vor, dass die Umsetzungsphase in den Ortskirchen bis Ende 2026 läuft. Im ersten Halbjahr 2027 folgen Evaluierungsversammlungen in den Diözesen und Eparchien, im zweiten Halbjahr Beratungen auf Ebene der Bischofskonferenzen und anderer kirchlicher Zusammenschlüsse. Im ersten Halbjahr 2028 werden die Erfahrungen auf kontinentaler Ebene zusammengeführt. Im Oktober 2028 soll der Prozess schließlich in einer kirchlichen Versammlung in Rom münden.
(Laufend aktualisierte Berichterstattung und gesammelte Beiträge zum Synoden-Workshop in Puchberg bei Wels unter www.kathpress.at/synodenworkshop2026)
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