Erzbischof Ulrich warnt vor politischer Vereinnahmung des am 25. September beginnenden Frankreich-Besuchs von Leo XIV.
Paris/Rom, 18.09.2026 (KAP/KNA) Der Erzbischof von Paris hat davor gewarnt, den Papstbesuch für innenpolitische Zwecke zu vereinnahmen: "Der Papst kommt nicht, um die Stimmung im Vorfeld der Wahlen zu beruhigen oder zu heilen", sagte Laurent Ulrich laut KNA-Bericht dem katholischen Nachrichtendienst SIR in Rom. Die viertägige Frankreich-Reise von Leo XIV. ist für den 25. bis 28. September geplant. Wenige Monate vor den dortigen Präsidentschaftswahlen wird er Paris, Lourdes und Metz besuchen.
Erzbischof Ulrich betonte, dem Papst sei das angespannte und bisweilen stark polarisierte politische Klima im Land bewusst: "Er hat nie gezögert, zu sagen, dass alle zusammenarbeiten müssen, um ein Land aufzubauen, und dass es nicht ausreicht, einen Führer zu haben, der allen vorschreibt, was sie zu tun haben. Das ist eine mutige Botschaft seinerseits", fügte er hinzu.
"Entwaffnende Worte" im Gepäck
"Ich glaube, dass in einem Moment wie diesem, in dieser Phase, in der der eigentliche Wahlkampf noch nicht begonnen hat, die verschiedenen Parteien und die möglichen Kandidaten vom Papst vor allem Worte brauchen, die der Versöhnung dienen, und keine Worte, die die nationale Einheit weiter beeinträchtigen könnten", sagte der Erzbischof. Der Papst trete nicht als Politiker auf und komme nicht mit einem politischen Programm. Er bringe stattdessen "entwaffnende Worte" mit, die in der Lage seien, das Verständnis innerhalb eines Volkes und ein gewisses Gefühl der Einheit wiederherzustellen.
Vor dem Papstbesuch erkennt Ulrich eine Atmosphäre der Vorfreude in Frankreich. In Paris, Lourdes und Metz werden so viele Menschen erwartet, dass laut SIR-Angaben aus Sicherheitsgründen 15.000 Einsatzkräfte aus Militär, Polizei und Gendarmerie mobilisiert wurden. "Der Papst ist das einzige Staatsoberhaupt, das bei einem Besuch in einem Land einen solchen Andrang von Menschen hervorrufen kann", kommentierte der Erzbischof.
Stabilität und Nähe
Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop wünschten sich 28 Prozent der Franzosen, dass der Papst über "Frieden und Konflikte in der Welt" sprechen möge, 15 Prozent meinen, er solle "den Kampf gegen sexuellen Missbrauch und dessen Prävention innerhalb der Kirche" thematisieren. Den Autoren der Studie zufolge besteht in einer Ära, in der Aggressivität in den sozialen Medien ebenso wie in den internationalen Beziehungen zur Norm geworden sei, ein echter Bedarf an einer Säule der Stabilität. Leo XIV. entspreche dieser latenten Erwartung eines Teils der Bevölkerung.
Erzbischof Ulrich sieht das hohe Interesse der Menschen am Papstbesuch durch dessen Art, sich zu präsentieren, begründet: "Ihm ist es vor allem wichtig, seine Nähe zu zeigen. Das ist es, was ein Bischof für seine Diözese oder ein Priester für seine Pfarrei zu tun versucht: zu zeigen, dass man den Menschen so nah wie möglich ist."
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