Leo XIV. besucht als erster Papst Notre-Dame nach dem Brand
25.09.202618:04
Frankreich/Papst/Christentum/Gedenkstätte/Kirche
Pariser Kathedrale für Kirchenoberhaupt als Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft zusammenfinden - Appell zu einer "lebendigen, facettenreichen und nahbaren Kirche"
Paris, 25.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame als einen Ort gewürdigt, an dem sich Himmel und Erde begegnen. "Es war mir eine Freude, als ich vorhin die Schwelle überschritten habe", sagte der Papst am Freitagabend bei einem Abendgebet mit katholischen Kirchenvertretern aus ganz Frankreich. Mehr als sieben Jahre nach dem Brand von 2019 und rund zwei Jahre nach der Wiedereröffnung im Dezember 2024 ist Leo XIV. der erste Papst, der die Kathedrale seither besucht.
Bei seiner Ankunft auf dem Platz vor der Kathedrale wurde der Papst von Tausenden gefeiert. Ähnlich groß war die Begeisterung bei seinem Einzug durch den Mittelgang der strahlend weißen Kathedrale, wo etwa 2.500 Menschen ihn erwarteten. Die gigantische Orgel, die ebenfalls nach dem Brand restauriert worden war, sorgte mit ihren 115 Registern und fast 8.000 Pfeifen musikalisch für Andacht und Ehrfurcht.
Sieben Jahre seien vergangen, seit die ganze Welt mit angehaltenem Atem miterlebte, wie die Kathedrale in Flammen stand, sagte Leo XIV. "Auch damals hatten wir den Blick erhoben, bestürzt und im Bewusstsein der menschlichen Ohnmacht angesichts dieses unfassbaren Ereignisses." Diesen Schmerz hätten nicht nur gläubige Menschen empfunden: "In dieser dramatischen Stunde wurde uns bewusst, dass Notre-Dame mehr ist als nur ein Denkmal."
In dieser Kirche schlage das Herz eines Volkes, umarmten sich Vergangenheit und Zukunft, so Leo XIV., der sich bereits am Vormittag bei den Beteiligten des Aufbauprojekts bedankt hatte. Der Wiederaufbau sei der Anlass für eine Begegnung gewesen, die die Räume der Gastfreundschaft und Teilhabe über die Grenzen der kirchlichen Zugehörigkeit hinaus erweitert habe.
Kirche als Ort der Annahme
Die französischen Kirchenleute forderte Leo XIV. auf, sich davon inspirieren zu lassen. Die christliche Gemeinschaft sei nämlich kein abgeschlossener Bereich, sondern ein Ort, an dem allen Annahme, Respekt, Offenbarung und Sinn zuteil würden. "Seid eine lebendige, facettenreiche und nahbare Kirche", ermutigte der Papst. An die Bischöfe, Priester, Diakone und Ordensleute appellierte er: "Setzt dabei voll Vertrauen auf die Sendung der Laien, die der lebendige Vorposten der Kirche an den Schnittstellen des Alltags sind."
Seine Ansprache vor dem französischen Klerus nutzte Leo XIV. auch für klare, zugleich versöhnliche Worte zum Thema Liturgie. Frankreich hat eine besonders aktive traditionalistische Szene, die eine Messfeier nach den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ablehnt. Leo XIV. bat um liturgische Feiern in Würde und gebührender Weise, "auch dort, wo sich kleinere Gemeinschaften versammeln".
Die Liturgie bleibe ein Spiegelbild des Lebens, und die eucharistische Freude breite sich dort aus, "wo man wieder zur Eintracht findet, wo die Würde wiederhergestellt wird, wo Autorität zum Dienst wird, wo die Freiheit wieder in Gang kommt". Das katholische Kirchenoberhaupt hatte bereits im März die französischen Bischöfe in einem Brief aufgefordert, den Anhängern der "Alten Messe" entgegenzukommen und "konkrete Lösungen" für sie zu finden.
In der Kathedrale sagte er: "Stellt also die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Befindlichkeiten, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen. Gemeinsam werden wir ein prophetisches Zeichen dafür sein, dass eine versöhnte Welt möglich ist."