Früher in Innsbruck lehrender Pastoraltheologe nahm als Experte am Bischofstreffen über Ehe- und Familienseelsorge zum Zehn-Jahr-Jubiläum von "Amoris laetitia" teil
Bonn/Münster, 16.10.2026 (KAP/KNA) Deutlich mehr persönliche Kontakte innerhalb der Weltkirche wünscht sich der frühere Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer auf allen Ebenen. Mancherorts gebe es noch immer "erhebliche Vorbehalte" gegen den deutschen Reformprozess Synodaler Weg und die deutsche Theologie, sagte er in einem am Freitag auf dem Onlineportal "katholisch.de" veröffentlichten Interview. Zum Teil beruhten diese auf Falschinformationen und Fehleinschätzungen. Beim Bischofstreffen in Rom, anlässlich zehn Jahre Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie, an dem der mittlerweile in Münster lehrende Theologe von 7. bis 14. Oktober als Experte teilnahm, sei ihm aber auch "große Offenheit und herzliche Sympathie" begegnet, sagte er laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA).
Im Interview mit dem Portal "Kirche und Leben" schilderte Bauer am Donnerstag, ihm sei ein Mittagessen mit einem afrikanischen Bischof in seiner Unterkunft in Erinnerung geblieben: "Unser Gespräch begann mit der Frage, warum 'Tübingen' - für ihn war das ein Synonym für die deutsche Theologie - nicht mehr katholisch sei. Und es endete mit dem Angebot des Du und der überraschenden Aussage: 'Ich hätte nie gedacht, dass ich einen deutschen Theologen sympathisch finden könnte.'" Dazwischen habe ein hartes Ringen um sensible theologische Fragen gelegen, und der Versuch, "trotz allem so etwas wie Gemeinsames zu identifizieren". Bauer ergänzte: "Fast so, wie man es bei 'Mit Rechten reden'-Trainings einübt..."
Vergrößerte gemeinsame Basis
Bauer berichtete, das weitgehende Ausbleiben extremer Stimmen, die "Amoris laetitia" ablehnen, habe ihn überrascht. "Die Bischofsversammlung war weder ein dramatischer Schritt dahinter zurück noch ein gewaltiger Schritt nach vorne - sondern eher ein Vertiefen von bereits Erreichtem, in einem wachsenden weltkirchlichen Konsens." Diese vergrößerte gemeinsame Basis sei vorher nicht abzusehen gewesen.
Bei den Beratungen im Vatikan sei es um Zuhören, Begleiten und Abwägen gegangen, also um "einen pastoral sensiblen und nicht mehr doktrinär verurteilenden Ansatz, um eine Verletzungen ernstnehmende und nicht mehr verletzende Sprache". So sei von "sogenannten irregulären Lebensformen" nicht mehr die Rede gewesen. Auch sei der methodische Paradigmenwechsel des Zweiten Vatikanischen Konzils inzwischen in Rom angekommen: "Man muss synodal von konkreten Erfahrungen ausgehen, nicht mehr hierarchisch von abstrakten Prinzipien."
Stimme des Papstes "prophetisch"
Der Theologe bedauert, dass Papst Leo XIV. nach seiner "starken Eröffnungsrede" nicht mehr an den Beratungen teilnehmen konnte: "Anfangs hatte ich auf der Versammlung sogar den Eindruck, dass seine Rede - zusammen mit der einführenden Meditation der Dominikanerin Helen Alford - die theologisch prophetischste Stimme war." Dem Papst sei die weltkirchliche Rezeption von "Amoris laetitia" ein wirkliches Anliegen. Papst Franziskus (2013-2025) habe Türen geöffnet, die Leo weiter offenhalten wolle.
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