Scheuer: Wir glauben nicht als Single, sondern in Gemeinschaft
02.11.202611:13
Österreich/Kirche/Feiertage/Allerheiligen/Scheuer
Linzer Bischof zu Allerheiligen: Heilige sind Vorbilder für Gemeinschaft - Bischof warnt vor Rückzug in digitale "Blasen"
Linz, 02.11.2026 (KAP) Obwohl der christliche Glaube eine persönliche Entscheidung darstellt, kann er nicht unabhängig von der Gemeinschaft gelebt werden: Darauf hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer am Allerheiligentag bei einem Gottesdienst im Mariendom hingewiesen. "Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen", heiße es etwa im Glaubensbekenntnis - und obwohl dem Individuum im Glauben eine hohe Bedeutung zukomme, könne der Glaube nicht von den Heiligen, der Gemeinschaft und Solidarität mit den Menschen losgelöst bestehen. "Ein Christ ist kein Christ. Wir glauben nicht als Single, sondern in Gemeinschaft", betonte Scheuer und warnte mit Blick auf soziale Medien davor, dass Menschen zunehmend in ihren eigenen "Blasen" blieben.
Im gesellschaftlichen Leben, in der Arbeit, im persönlichen Leben sowie im Glauben komme es auf die Qualität der Beziehungen und des Zusammenhalts an, sagte der Bischof. Am Allerheiligenfest werde der Vorbilder gedacht, die für das Gemeinsame eingestanden seien. "Heute feiern wir die Gemeinschaft der Kirche, die nicht auf Gruppeninteressen oder kurzfristige Projekte eingeschränkt werden kann. Zu Allerheiligen verehren wir jene Menschen, die bei Gott angekommen sind und für andere eine Quelle der Freude und Freundschaft, der Hoffnung und der Zuversicht ist", so Scheuer.
Ein Gläubiger dürfe kein Eigenbrötler sein, nicht selbstgefällig, nicht narzisstisch, erklärte der Linzer Bischof. Zugleich stellte er infrage, ob soziale Medien, aber auch Zeitungen, Radio und Fernsehen oder das Internet eigene Identitäten, Zugehörigkeiten, Vernetzungen und Freundschaften schaffen würden. Denn: "Die Arroganz der Besserwisserei bringt nicht weiter, die Suche nach Sündenböcken auch nicht". Unter Jugendlichen zählten nach wie vor die Familie, eine sichere Zukunft und insbesondere Freunde zu den wichtigsten Dingen im Leben. "Es ist das Urbedürfnis, dass da jemand ist, der mich mag", so der Bischof. Wer Facebook verweigere, gelte unter Jugendlichen allerdings als "MoF" - Mensch ohne Freunde.
Freundschaft dürfe jedoch nicht auf die eigene "Blase" und die Bestätigung der eigenen Interessen oder Identität beschränkt bleiben, betonte Scheuer. Das sei vielmehr Ausdruck von Narzissmus oder gemeinsamem Egoismus, nicht aber von Freundschaft und Liebe. Zur "wahren" Freundschaft gehöre eine positive Sicht auf Vielfalt und Unterschiede. Unter Verweis auf den österreichisch-US-amerikanischen Theologen und Priester Ivan Illich unterstrich Scheuer, wie wichtig es für das eigene Leben und das gesellschaftliche Zusammenleben sei, auch Freundschaften mit "anderen", "fremden" und "ungleichen" Menschen zu knüpfen und zu pflegen. Gerade in einer Demokratie könnten persönliche Beziehungen und Freundschaften Brücken zwischen unterschiedlichen weltanschaulichen Positionen schlagen.
Zu Allerheiligen erinnert die katholische Kirche an Männer und Frauen, die ihren christlichen Glauben besonders vorbildlich gelebt haben. Heiligkeit kann aber jeder anstreben - mitten im Alltag, meint Papst Leo XIV.
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