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Der Münsteraner Kirchenhistoriker bei einem Pressegespräch am 5. November 2026 in Wien
Papst
Bild Copyright: © Kathpress / Henning Klingen

Kirchenhistoriker Wolf: Erwarte von Leo in Sachen Kirchenreform nichts

05.11.2026 16:37
Österreich/Kirche/Papst/Reform/Leo/Wolf
Münsteraner Kirchenhistoriker bei Pressegespräch in Wien: "Politisch ein gutes Pontifikat, aber reformmäßig erwarte ich gar nichts" - Plädoyer, in Kirchengeschichte nach möglichen Alternativmodellen Ausschau zu halten und Reform als "Zurückformung" zu verstehen
Wien, 05.11.2026 (KAP) Leo XIV. ist ein politisch klug agierender, jedoch kein Reform-Papst: Diese Bilanz nach den ersten eineinhalb Jahren des Pontifikats hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien gezogen: "Es ist politisch ein gutes Pontifikat, aber reformmäßig erwarte ich gar nichts." Das habe man bereits aus dem kurzen Konklave schließen können: "Man wollte offenbar keinen Liberalen, aber auch keinen konservativen Kandidaten" - es sollte niemand sein, der "vor den Kopf stößt". Nachsatz: "Immerhin soll Leo eine recht anständige Rückhand longline spielen", scherzte Wolf bei dem Pressegespräch, zu dem die Katholische Presseagentur Kathpress gemeinsam mit dem Verband Katholischer Publizistinnen und Publizisten Österreichs geladen hatte.

Wolf hielt sich in Wien unter anderem deshalb auf, um an der dortigen "Akademie am Dom" über das Thema Kirchenreform aus kirchenhistorischer Sicht zu referieren. Tatsächlich habe die Kirchengeschichte im Blick auf Reformprozesse nämlich eine "doppelte Aufgabe": aufzuzeigen, dass es "alternative Modelle" gab, die man auch heute "wieder hervorholen" und "re-formieren im Sinne von 'reformare', zurückformen" kann - und zugleich aufzuzeigen, dass es immer wieder auch "Transformationsprozesse" und tatsächliche Neuerungen gegeben habe.

Beispiele gebe es etwa im Blick auf "heiße Eisen"-Themen wie die Diakoninnenweihe und den Zölibat. Kirchenhistorisch sei der Befund eindeutig, dass es über 1.000 Jahre Kirchengeschichte Diakoninnen gegeben habe. Sie seien gerade bei der Erwachsenentaufe wichtig gewesen, da Diakoninnen die Entkleidung und Taufe mit dem Untertauchen des gesamten Körpers bei Frauen vorgenommen hätten. Es spreche daher nichts dagegen, diese Weiheform auch heute wieder aufzugreifen.

Ähnlich sei es beim Zölibat: Erst mit dem Codex Iuris Canonici von 1917 sei festgeschrieben worden, dass Priester nicht verheiratet sein dürften. "Erst 1917 wurde die Möglichkeit, dass Verheiratete um die Weihe bitten können, versperrt. Vorher bedeutete Zölibat: Nur ein Geweihter darf nicht heiraten; aber nicht: ein Verheirateter darf nicht um die Weihe bitten." Es habe also zwei Modelle parallel gegeben; auch hier spreche aus kirchenhistorischer Sicht nichts dagegen, dieses zu "entstauben" und wieder zur Anwendung zu bringen.

Beispiele für wirkliche Reformen im Sinne von Neuerungen stellte indes der Wandel des kirchenamtlichen Verhältnisses zu den Menschenrechten dar: 1832 habe Papst Gregor XVI. in der Enzyklika "Mirari vos" die Gewissens- und Religionsfreiheit noch als "pestilenzialischen Irrtum" bezeichnet; eine Position, die Papst Pius XII. noch 1953 bekräftigte. Das Zweite Vatikanische Konzil habe dann jedoch in der Erklärung "Dignitatis humanae" (1965) die Religionsfreiheit ausdrücklich anerkannt. "Das war eine Reform im Sinne von Neu-Formierung", so Wolf.

(Honorarfreie Pressefotos des Gesprächs mit Hubert Wolf können unter www.kathpress.at/fotos abgerufen werden)
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Der Münsteraner Kirchenhistoriker bei einem Pressegespräch am 5. November 2026 in Wien
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